Freitag, 29. Juni 2007

Stör anno domini

Wir schreiben das Jahr 2007. Ganz Dresden ist in der Moderne angekommen. Ganz Dresden? Nein. In einem kleinen Haus irgendwo in der Stadt ist die Zeit stehen geblieben. Ich öffne die Tür, die hinter mir mit einer Kontruktion aus Seilrolle, Seil und einem mit Steinen befüllten Sack selbstständig wieder ins Schloss rasselt. Da spricht mich auch schon von der Seite derb eine mittelalterlich gekleidete Dame an:

Burgfräulein: "Was begehrt ihr mein Herr?"

Störgröße: "äh ... wir hatten einen Tisch bestellt..."

Burgfräulein: "Ahhh! Ihr wollt hier fressen und was zu saufen!"

Störgröße: "Oder so, ja."

Das Burgfäulein weist uns einen Platz zu. Das Mobiliar ist einfach: Rustikale Tische aus Holz, Bänke und Schemel. Auf dem Steinboden liegt vereinzelt etwas Stroh. Das Glas in den Fenstern ist trüb und von verschiedenen Farben durchsetzt. An den Wänden hängen Kettenhemden, Lanzen, ein paar Tierfelle. An einer Wand befindet sich ein alter Kamin. In dem ganzen Lokal gibt es kein elektrisches Licht. Alles ist mit Kerzen ausgeleuchtet.

Burgfäulein: "Sprecht, was wollt ihr saufen!"

Störgröße: "Eine Cola bitte."

Burgfäulein: "Pah! Teufelszeug!"

Störgröße: "Dann vielleicht ein Wein?"

Burgfräulein: "Also einmal einen Krug Met."

Die Speisekarte auf einer Papierrolle enthält im wesentlichen totes Tier, verschiedene Käsesorten und Brote. Die Preise sind in Talern und Silberlingen ausgeschrieben. Es dauert etwas bis ich diese mittelalterliche Sprache entschlüsselt habe und entscheide mich für etwas mit Hähnchenfleisch und Nudeln. Die Getränke und auch das Essen werden in Krügen und auf Geschirr aus Ton aufgetischt. Besteck? Naja, ein Holzlöffel und ein Holzmesser, mit dem man alles machen kann außer das Fleisch zerteilen ... mit den Fingern geht es auch, scheint hier auch so üblich zu sein. Von dem Met teile ich mir an diesem Abend mit einem Kollegen übrigens drei Krüge à einen Liter.

Plötzlich stehen zwei Typen im Raum. Angezogen mit Hemden aus Leinen, Hosen aus Leder. Der eine hat diverse Fiedeln und eine art Dudelsack dabei, der andere eine Trommel und eine Laute. Sie beginnen den Abend mit mittelalterlichen Klängen und derben Lieder musikalisch zu untermahlen. Wirklich gut. Eine Textpassage lautete zum Beispiel:

"... Schock, schwere Not, mein Eheweib ist tot.
Wer stopft mir jetzt die Socken und kocht mein Abendbrot? ..."


Die beiden bekommen Verstärkung durch einen Esel und einen Ziegenbock, die durch das Lokal trotten und sich an den Tischen die Speisereste abholen. Ein Esel? Oder zwei Esel? Der Met entfaltet seine Wirkung ...
Zeit die Heimreise anzutreten.

Hier der passende Link zum Erlebnis.

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